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Auf Regen folgt Sonnenschein 

So ist es wohl. Bei all meiner Aufregung über meine doch stark eingeschränkte Nachtruhe habe ich wohl in meinem letzten Beitrag nicht wirklich zum Ausdruck gebracht, dass mir Plovdiv an sich echt gefallen hat. Bei Sonnenschein war es wirklich schön und mit einer Ortskundigen echt interessant. So weiß ich jetzt also auch welche Häuser in Bulgarien wirklich alt sind und welche nicht und warum die Architektur ist, wie sie ist, bzw. war. Dieses Wissen konnte ich dann auch gleich bei meinem Ausflug nach Veliko Tarnovo gestern nutzen. Aber der Reihe nach:

Am Sonntag drohte ich arg in Antriebslosigkeit und Frust zu versinken. Da gab es dann nur noch eine Lösung: Raus in die Sonne und ein Buch kaufen! Das habe ich dann auch in Angriff genommen. Ich bin also in den Bus gestiegen, in die Stadt gefahren und zum Buchladen gelaufen. Da gab es dann schon wieder den ersten Pluspunkt für Bulgarien: Ich kann sonntags einfach mal so in ein Büchergeschäft gehen. Sehr gut! Mit der Auswahl habe ich mir Zeit gelassen und mich am Ende für Dan Browns Da Vinci Code entschieden. Keine sehr kreative Entscheidung und ich weiß, dass ich mir den von 1000 Leuten und Bibliotheken leihen könnte, aber nicht genau in dem Moment. Glücklich mit Buch habe ich mir dann ein Hörnchen und eine Flasche Wasser gekauft, mich auf eine Bank auf dem Kirchplatz gegenüber des Bücherladens gesetzt (und später gelegt) und angefangen mein Buch zu lesen, während um mich herum Tauben balzten, Kinder laufen lernten, Hunde schnüffelten und alte Frauen tratschten (nicht, dass ich wüsste was sie sagen, aber worüber redet man halt so?). Nach ungefähr zwei Stunden war die Welt wieder in Ordnung. Wieder „Zuhause“ kam nach einer Weile auch Livia und wir sind nach einem kurzen Gespräch zusammen zum Chinesen gefahren. Livia hatte schon gegessen, nahm also nur einen Kaffee und ich eine Schopska. Sehr eigenwillige Kombination beim Chinesen, aber wenn die das auf der Karte haben…

Am nächsten Tag meldete sich dann Paulina. Nach einigem Hin- und Her (ohne Verwirrung und Planänderung scheint es nicht zu gehen) ist sie dann zu mir gekommen, ich habe ihr wie gewünscht Fotos auf eine DVD gebrannt und danach haben wir Livia eingesammelt und sind in die Stadt gefahren. Der Plan war zuerst zu O’shipka essen zu gehen und danach ins Kino. Wir mussten uns auf Grund der Feiertage ein neues Restaurant suchen, haben dabei aber einen tollen Italiener entdeckt. Danach habe ich den beiden noch „meinen“ Buchladen gezeigt und wir sind in Richtung Mall gelaufen. Unterwegs haben wir uns vor dem NDK noch in die Sonne gesetzt und Skatern, Boardern und BMXern zugesehen und vor allem die flanierenden Bulgaren betrachtet. Es gibt immer was zu sehen!

Dienstag ist Livia ungefähr um fünf aufgestanden um nach Veliko Tarnovo zu fahren. Mir war das zu früh, aber als sie um sechs weg war, bin ich doch aufgestanden. Irgendjemand hatte seine Party noch immer nicht beendet und der Bass hat mich am Weiterschlafen gehindert. Also bin ich los zum Busbahnhof, habe mir die Tickets für Hin- und Rückfahrt besucht und war um viertel vor elf in Veliko Tarnovo. Livia habe ich nicht getroffen, weil ich nämlich ihre Handynummer nicht gefunden habe, aber ich habe mich allein gut zurechtgefunden. Ich musste mich etwas sputen um alles in sechs Stunden zu sehen, war aber erfolgreich und wusste dank Millas Führung sogar worauf ich bei den Häusern achten muss und habe mir sogar ein Büchlein zur Stadt gekauft. Auf dem Rückweg hat es dann ganz furchtbar zu regnen angefangen, aber ich saß ja warm und trocken im Bus. Einige Zeit nach mir war dann auch plötzlich Livia wieder da. Eigentlich wollte sie über Nacht wegbleiben. Nun war sie wieder da und mein Abend „sturmfrei“ passe, aber was will man machen?

Den heutigen Tag wollte ich dann zum shoppen nutzen. Eigentlich hatte ich gestern über einen Ausflug nach Melnik nachgedacht, jedoch ist die Busanbindung schlecht und mir ist momentan nicht nach „Lost in Bulgaria“. So bin ich also gleich morgends aufgebrochen. Die Geschäfte hatten noch nicht geöffnet, was mich quasi in ein Cafe zwang. (Jetzt ganz kurz an Oma: Ich habe Kaffee bekommen, richtigen, in einer großen Tasche. Wenn du einen Beweis brauchst, müsstest du noch einmal herkommen.)

Nach meinem Kaffee (und, ich gebe es zu, einem Croissant) wollte ich dann Geld abheben. Der Automat wollte jedoch keines rausrücken. Ich bin dann also zum nächsten. Aus nichts. Das war dann der Moment, an dem ich etwas unruhig wurde, mich auf den Rückweg machte und bereits das Telefongespräch mit meiner Bank in Gedanken durchging. Man hört ja so einiges über Kartenkopierer, aber das muss doch nicht jetzt sein, nicht ich… Ich musste mich jedoch noch etwas gedulden, da die Militärparade gerade stattfand. Die Vorbereitungen hatte ich vorher schon beobachtet, mich aber nicht weiter darum gekümmert. Nun war die halbe Innenstadt gesperrt und wenn man schon mal da ist, dann muss man wohl auch einen Blick werfen. Ein paar Blicke haben mir allerdings tatsächlich gereicht. Bei dem Anblick von Panzern, die an einem sonnigen Tag an fröhlich winkenden Menschen vorbeifahren ist mir etwas anders geworden. Ich weiß nicht was das war, aber es war sehr seltsam. Mir gibt es gar kein gutes Gefühl so etwas zu sehen.

Kurze Zeit später waren die Panzer weg, die Straßen frei und ich habe sofort einen Bus bekommen. Wenigstens das hat mal geklappt. Ich habe sogleich mein Skype Guthaben aufgestockt und die Bank angerufen. „Bitte haben Sie etwas Geduld, der nächste freie Mitarbeiter wird sich um sie kümmern. MUSIK Bitte haben Sie etwas Geduld, Sie werden gleich an den nächsten freien Mitarbeiter durchgestellt… Irgendwann (Es hat tatsächlich nicht lange gedauert. Ich war erstaunt und erfreut.) kam dann eine neue Stimme. Bitte geben Sie Ihre Kontonummer an, oder tippen Sie sie ein. Habe ich vorgelesen, hat die Stimme verstanden. Dann: Bitte geben Sie jetzt Ihren Telefon PIN an, oder tippen Sie ihn ein. Problem: Kenne ich nicht. Ich habe also geschwiegen. Dann: Ich habe Sie leider nicht verstanden. Bitte wiederholen Sie Ihren Telefon PIN, oder tippen Sie ihn ein. Ich habe wieder geschwiegen, weil ich daran gezweifelt habe, dass sich die Computerstimme für meine Erklärung interessiert. Daraufhin die Stimme: Ich habe sie leider erneut nicht verstanden. Bitte… Ich habe mich gefragt wie lange das so weitergeht, aber erneut geschwiegen. Die Stimme hat mein Schweigen diesmal aber richtig als „Du bekommst meinen PIN nicht“ verstanden und ich wurde nach der Aufklärung, dass das Gespräch aufgezeichnet würde, an eine Mitarbeiterin durchgestellt, die nach Kräften versuchte mir im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten (ich kannte ja meinen PIN nicht) zu helfen und mich beruhigte, dass alles in Ordnung sein müsste. Seltsam, aber damit musste ich mich dann zufrieden geben.

Ich bin also erneut zu einem Geldautomaten. Diesmal hat er tatsächlich angefangen Geld zu zählen… Und er hörte gar nicht mehr auf. Heraus kamen dann 40 10 Leva Scheine. Da war mir klar, dass wohl die Automaten alle seit einer Woche nicht neu beliefert worden waren und in der Innenstadt folglich leer. Super. Viel Wind um nichts, aber ich war in Bewegung. Nun mit einem ganzen Stapel Geld bin ich dann nämlich zurück in die Stadt. Allerdings habe ich erst ein paar Scheine in mein Zimmer gebracht. 40 sprengen mein Portemonnaie.

Und die Sonne scheint noch immer!

 

6.5.09 16:22


Am vorletzten Mittwoch bin ich dann also halbwegs zeitig aufgestanden, um mich mit einem Professor zu treffen, den ich bisher noch nicht kannte, vorher in aller Ruhe noch den Raum aus der E-Mail abzuschreiben und nach dem Treffen die Oma vom Flughafen abzuholen. Als ich allerdings meinen Computer befragen wollte fiel der Strom aus. Also Plan B: Akku. Dumm nur, dass mit dem Strom auch das Internet ausgefallen ist. Auch davon habe ich mich aber nicht weiter irritieren lassen, meinen Laptop eingepackt und mich zur Uni aufgemacht. Da es nun noch sehr früh war und ich mir nicht sicher, ob ich in der Uni W-LAN empfange, bin ich in ein Cafe gegangen, habe gemütlich gefrühstückt und dabei im Internet alles erledigt was es so zu erledigen gab. Zu meiner „Vorlesung“ bin ich dann etwas verspätet aufgebrochen, sodass ich auch fünf Minuten zu spät ankam, habe mir aber die ganze Zeit selbst gesagt, dass fünf Minuten zu spät hier noch zu früh ist. So war es dann auch. Ich stand (mal wieder) vor verschlossener Tür, aber ich kann ja warten, geduldig, sehr geduldig. Nach einer dreiviertel Stunde, die ich sinnvoll mit Rumsitzen und –laufen verbracht habe (Ich habe herausgefunden, dass es auf demselben Flur ein Arktisinstitut gibt), habe ich dann meinen Laptop wieder aus dem Rucksack gezogen um, falls möglich, das Internet zu befragen, ob ich vielleicht eine Absage oder Raumänderung verpasst habe. Es gibt tatsächlich W-LAN im Universitätsgebäude, eine entsprechende E-Mail gab es allerdings nicht, sodass ich nach einer Stunde Wartezeit meinerseits eine sehr diplomatische E-Mail mit meiner Telefonnummer verfasst und abgeschickt habe. Um zum Flughafen zu fahren war es noch zu früh, Stau eingerechnet allerdings zu spät zurück nach Studentski Grad zu fahren, das Wetter war schlecht und Lust auf Mittagessen hatte ich auch keine. So bin ich dann einfach mal losgelaufen um sicherzugehen, dass der Bus auch da abfährt, wo ich dachte. Plötzlich saß ich dann irgendwie im Bus und war sehr viel zu früh am Flughafen. Ärgerlicher Weise landen die Billigflieger am alten, kleine Terminal 1. Da gibt es gar nichts. Ein kleines Cafe, drei Autovermietungen, eine Bank. Ich glaube das war es wirklich. Im Cafe habe ich mir dann mal einen Tee bestellt und mich von MTV berieseln lassen. Der Akku von meinem Laptop war nämlich inzwischen leer und weit und breit keine Steckdose in Sicht. Zwischendurch rief der Professor an, entschuldigte sich, er habe keine Zeit gehabt, aber wir könnten uns ja morgen treffen.

Dann eine halbe Ewigkeit später: Landung, Sofia, Regen. Sofia im Regen zu präsentieren ist wenig erfreulich, aber nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel sind wir gleich aufgebrochen um die Stadt und die ersten Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Ein paar Kirchen später gab es dann das erste gemeinsame Essen in Bulgarien und Tag eins war auch schon rum.

Am nächsten Morgen gab es Frühstück im Hotel, danach ausgefallenes Treffen mit dem Professor nachholen und für Oma einen Galeriebesuch. Wir waren gleichzeitig fertig und konnten unser Sofiaprogramm gemeinsam fortsetzen und die Stara Stena aufsuchen, uns zum Kaffee einladen lassen und einen sonnigen, warmen Tag genießen. Abends ging es in ein traditionelles bulgarisches Restaurant mit gutem Essen und Musik. Wir haben ganz wahnsinnig viel gegessen und nicht einmal mehr ein Dessert geschafft.

Am nächsten Morgen ging es nach dem gemeinsamen Frühstück im Hotel mit dem Bus nach Blagoevgrad. Unterwegs musste ich dieses Mal nicht alleine Schaf- und Ziegenherden, Eselkarren und recht bodenständige Feldarbeit bewundern. In Blagoevgrad haben wir erstmal ein Hotel gesucht, gefunden und mit Hilfe von viel Geduld und einer Zeichnung zwei Einzelzimmer bekommen. Zu meinem Zimmer muss ich kurz erwähnen, dass es zwar im vierten Stock ohne Fahrstuhl war, dafür aber zur Hälfte von einem Balkon umgeben war. Großartig! Wenn es jetzt noch eine Sitzgelegenheit gegeben hätte… Den Rest des Tages haben wir damit verbracht gemütlich Blagoevgrad zu erkunden und uns ganz wunderbar zu unterhalten, bevor es am nächsten Tag mit dem Bus weiter nach Rila und von dort aus weiter ins Rilakoster ging. Im Rilakloster stand plötzlich der Amerikaner aus dem Zug nach Istanbul hinter mir. Dinge gibt’s… Wenn ich den noch öfter treffe wird es gruselig. Im Bus kannte ich auch noch jemanden, obwohl ich vorher die ganze Zeit behauptet habe, dass wir bestimmt niemanden treffen würde und es total egal sei ob die Haare sitzen oder nicht. Manchmal irre selbst ich. Zurück in Sofia habe ich mir dann auch gleich mal meinen MP3-Player klauen lassen.

Am nächsten Tag im Museum haben wir Barbie und Ken mitsamt Tochter Stacey gesehen. Wahnsinn! Also hier laufen ja viele herum, die versuchen es zu sein, aber die… Ich konnte mich nicht ganz entscheiden, ob ich staunen oder lachen wollte. Lachen wäre wohl sehr unpassend gewesen, also habe ich das so gut es ging unterdrückt. Diese Schuhe, diese Haare, sein Hemd, allgemein was sie anhatten und: seine Goldkette!!! Kettchen kann man nicht mehr sagen und so passend zum tief ausgeschnittenen Hemd. Perfekt! Warum genau sie im Museum waren weiß ich allerdings nicht. Rein in den Ausstellungsraum, einmal umgedreht und wieder raus. Für uns waren sie allerdings eine Attraktion. Besonders interessant war zu beobachten, wie sie die Treppe herunterstakste. Phantastisch! Und das alles ohne Eintritt. Abends ging es noch einmal in das bulgarische Restaurant. Diesmal begann eine Dame vom Nebentisch zu singen und lieferte ihre eigene Show. Auch was. Und das Essen…

Und schon war der Besuch vorbei.

Später war ich mit Paulina in einem Kino verabredet, dass ich noch nicht kannte. Ich habe mich seit langem zum ersten Mal wieder hoffnungslos in Sofia verlaufen, den Taxifahrer gezwungen den Taxameter anzustellen und hatte Glück, dass die Polizei ihm jegliche Möglichkeit genommen hat mir mehr Geld aus den Rippen zu leiern. Man sollte eben anständig fahren… Ins Kino haben wir es am Ende doch noch geschafft, „Der Vorleser“ gesehen und hinterher etwas gehetzt den letzten Bus erwischt.

Am nächsten Tag haben wir mit Kuchen und Dart spielen etwas den Geburtstag meiner Mitbewohnerin gefeiert, bevor es dann am Mittwoch, nachdem mich mein Professor zum nun zweiten Mal versetzt hatte (Es ist nicht zu glauben! Dabei hätte er diesmal nur kurz anrufen müssen! Ich habe also wieder eine Stunde gewartet -diesmal die ganze Zeit mit Laptop und Internet- und erneut eine E-Mail geschrieben.) mit der aus Polen zurückgekehrten Paulina chinesisch essen gegangen. Danach wollten wir eigentlich ganz kulturell in ein Museum oder so gehen. Wir mussten allerdings feststellen, dass zumindest ich so ziemlich alles gesehen habe, was sehenswert zu sein scheint und uns dann für Kino entschieden. Wir waren ja länger nicht im Kino.

Am Donnerstag habe ich dann nur kurz das Haus verlassen um den nächsten Erasmus Trip zu bezahlen. Ich bin so gegangen wie ich den ganzen Tag Zuhause gesessen hatte. Böser Fehler. Spontan habe ich mich dann nämlich entschieden mit ins Ballett zu gehen. Jemand war krank geworden und ich konnte die Karte haben. Ich war weder fürs Ballett richtig angezogen oder sonst irgendwie fertig, noch für die anschließende Party. Nach 3,5 Stunden Schwanensee war allerdings auch keine Zeit mehr daran noch etwas zu ändern. Viel los war aber eh nicht, die Musik war mäßig, dafür laut, aber dafür kennt man inzwischen einige Leute. So konnte ich dann gemeinsam mit Nathalie aus Belgien einen sehr aufdringlichen, betrunkenen Bulgaren abwehren, der so dreist war am Ende sogar auf die Damentoilette zu kommen. Ich bin dann auch mal ganz schnell nach Hause, bevor das noch besser wurde.

Am nächsten Tag ging es bei Regen in vollem Zug nach Plovdiv. Das Wetter wurde den ganzen Abend nicht besser, dafür gab es gutes arabisches Essen und danach ein paar Runden Domino im Hostel. Ich hatte nämlich zugestimmt Ahmed mitzunehmen. Hätte ich gewusst wie laut er schnarcht, hätte ich eine Ausrede gefunden. Ich habe also die ganze Nacht kaum ein Auge zubekommen, habe mich allerdings auch nicht getraut ihn zu wecken. Ich musste allerdings feststellen, dass Wecken auch nichts gebracht hätte. Paulina hat es probiert. Er war dann auch kurz wach à hat also nicht geschnarcht wie eine Horde Rhinozerosse, ist aber schneller wieder eingeschlafen als ich und das ganze ging von vorne los. Als das Wetter am nächsten Morgen noch immer nicht besser war habe ich dann Paulina gefragt, ob wir nicht besser wieder zurück fahren sollten. Wir haben dann also ausgecheckt. AB da wurde das Wetter wieder besser. Selbstverständlich. So muss es sein. Milla hat uns dann den Tag über Plovdiv gezeigt. Am Ende bin ich aber nur noch im Halbschlaf nebenher getrottet und durfte mir dann auch noch vom Schnarcher anhören, er habe auch kaum schlafen können, weil Paulina und ich „ständig“ zur Toilette gerannt seien. Auf die Diskussion habe ich mich gar nicht erst eingelassen. Ich habe mich auch geweigert noch eine Nacht länger zu bleiben. Das Wetter war mir ziemlich egal. Ich wollte schlafen. Also ging es mit dem Zug zurück. Ich habe dann heute kurz darüber nachgedacht, ob ich vielleicht einfach zu egozentrisch bin, um mit anderen zu verreisen und mich einer Gruppe unterzuordnen. Mir ist dann aber doch eingefallen, dass das doch schon einige Male ganz gut geklappt hat. So schlimm bin ich wohl also nicht. Jetzt grade bin ich jedenfalls froh, dass ich eine schnarchfreie Nacht hatte, obwohl das Wetter entgegen aller Vorhersagen schön ist und ich in meinem Zimmer in Sofia sitze und nicht in Veliko Tarnovo bin. Vielleicht schaffe ich das morgen.

 

3.5.09 10:59


ISTANBUL!!!

 Das letzte lange Wochenende in Istanbul kann ich wohl ohne zu zögern intensiv nennen. Ich weiß nicht, ob ich jemals zuvor in so kurzer Zeit so viel gesehen, erlebt und kennen gelernt habe. Die Entscheidung alleine zu fahren war auf jeden Fall richtig. Ich werde dann mal anfangen alles halbwegs geordnet zu berichten. Das wird lang und ich werde bestimmt das eine oder andere vergessen.

Ein paar Zweifel hatte ich ja schon, als ich mich am Donnerstagnachmittag zum Bahnhof aufmachte. Irgendjemand im Internet hat mich dadurch verunsichert, dass er schrieb ein Personalausweis würde doch nicht ausreichen. Natürlich versichert das Auswärtige Amt etwas anderes, aber aufgeregt ist man ja immer. Ganz allein war ich ja nun auch noch nie so richtig weg. Auch aufregend. Und noch nie in der Türkei… Ich bin dann vor lauter Aufregung und aus Angst vor den Sofioter Staus wahnsinnig früh losgefahren, hatte selbstverständlich keinen Stau und musste irrsinnig lange warten. Die Zeit habe ich dann gleich mal genutzt um mich darin zu üben fremde Menschen anzusprechen. Mein Opfer waren zwei Spanier auf der Durchreise, die ein paar Sprachprobleme hatte und auch mit der bulgarischen Mentalität nicht so ganz zurecht kamen. Ich war so einen Moment beschäftigt und schon mal mächtig stolz. Mein Gleis wurde erst wahnsinnig spät angegeben, sodass ich am Ende tatsächlich noch recht gestresst am Zug ankam. Natürlich hat aber sonst alles geklappt und ich konnte wenig später mein Abteil mit Laken zum Zudecken (der Rest war bereits bezogen) und meinem kleinen „Willkommenspaket“ (bestehend aus einer Packung Taschentücher, einer Papierabdeckung für die Klobrille und zwei feuchten Reinigungstüchern) beziehen. Ich habe das unterste Bett bekommen und die Kabine war sonst leer. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mich darüber freuen sollte, weil ich ja eigentlich noch mehr Menschen treffen wollte. Draußen auf dem Flur habe ich das dann aber ebenso gut geschafft. Eine kleine Chinesin, die auch gerade an der Uni hier in Sofia studiert war wie ich auf dem Weg nach Istanbul, die einzige Frau in der Gruppe und wohl auch am aufgeschlossensten von allen. In Plovdiv ist sie dann mit Erlaubnis des (tatsächlich netten) Zugbegleiters in meine Kabine gezogen, weil bei ihr zwei Männer einquartiert wurden. Damit war sie nicht so einverstanden.

Die Nacht wurde nach kurzer Schlafpause am letzten Bahnhof in Bulgarien von der Passkontrolle unterbrochen. In Bulgarien kommen die Kontrolleure aber wenigstens in den Zug, sodass man nur eine halbe Stunde warten muss, bis es endlich weitergeht. Kurze Zeit später stand dann die nächste Passkontrolle in der Türkei an. Dort ist man nicht so entgegenkommend. Wir sind dann also alle raus aus dem Zug und haben mitten in der Nacht darauf gewartet, dass der Zollbeamte anfangen möchte zu arbeiten. Irgendwann war auch das vorbei, ich schon fast eingeschlafen, da klopfte es wieder und man wollte unsere Ausweise ein weiteres Mal sehen. Weitere zehn Minuten später wurde dann noch einmal nachgefragt ob wir etwas zu verzollen hätten, das Gepäck grob abgetastet und es ging endlich weiter und ich konnte morgens die Zugfahrt durch die Vororte von Istanbul halbwegs ausgeschlafen genießen.

In Istanbul vor dem Bahnhof habe ich mich dann von der kleinen chinesischen Reisegruppe getrennt und mich auf die Suche nach meinem Hostel gemacht. Selbstverständlich habe ich mich unterwegs etwas verlaufen, aber ich bin trotzdem angeommen und habe unterwegs schon einen Teil der Stadt gesehen. Vor einer Dusche war das allerdings nur mäßig zu genießen.

Im Hostel angekommen hat mich dann der Besitzer begrüßt und ich durfte vor dem richtigen Einchecken erst einmal duschen. Nach dem Duschen habe ich feststellen müssen, dass ich meine Socken vergessen habe, aber man kann ja alles kaufen…

Bald habe ich dann auch meine erste Zimmergenossin kennengelernt. Maleika kam gerade aus Indien und hatte 24 Stunden Aufenthalt in Istanbul. Wir haben dann den Rest des Tages zusammen Istanbul erkundet und abends noch eine Flughafenbekanntschaft von Maleika getroffen. So habe ich am ersten Tag bereits Teile von Sultanahmet, den großen Basar und das Istanbuler Nachtleben kennengelernt. Nach zuviel Nachtleben war mir allerdings nach der langen Reise und stundenlangem Power-Sightseeing nicht mehr, sodass ich mich dann um kurz nach 12 höflich verabschiedet habe. Morgens zwischen 6 und 6.30 sind Maleika und meine zwei übrigen Mitbewohner (Australier auf dem Rückweg von ihrer Nordafrikareise) aufgebrochen und ich hatte das Zimmer für kurze Zeit für mich.

Recht zeitig nach dem Frühstück mit einer Gruppe aus Deutschland, die grade auf Seminarreise mit der Konrad Adenauer Stiftung war, habe ich mich dann in Richtung Sultanahmet aufgemacht um das Innere der blauen Moschee und der Aya Sofia zu erkunden. Zum Abschluss bin ich dann noch ins Hippodrome, wo ich mich kurz mit einer Japanerin über die wahnsinnig liebenswerten jungen Männer unterhalten habe, die uns alle so wunderbar finden und so wahnsinnig gern Tee in ihrem Souvenirshop trinken möchten. Ich habe mich dann noch etwas in der Gegend herumgetrieben abgewehrt und ganz wunderbar türkisch gegessen.

Nach dem Essen ging es in den konservativen Teil der Stadt, wo ich mir die zwei, drei vorhandenen Sehenswürdigkeiten angesehen habe zwei Touristinnen aus keine-Ahnung-wo getroffen habe und mich einfach nur umgesehen und am Ende natürlich verlaufen habe. Selbstverständlich habe ich dann auch noch den Bus in die falsche Richtung genommen und irgendwo JWD gelandet. Ich bin aber sicher wieder zurück und habe den Abend mit einer langen Unterhaltung mit zwei Backpackern aus der Schweiz, die gerade verfrüht aus Thailand wieder zurück waren, wie ihnen die politische Lage dort zu unsicher wurde. Vorher waren sie noch in Vietnam und Kambodscha gewesen, was mich schon etwas beeindruckt. Ich wurde dann noch auf meine Mitbewohner für die Nacht hingewiesen, die später kommen sollten. Ein Amerikaner und zwei Deutsche. Letztere sollten irgendwas mit irgendeinem Film zu tun haben. Hat mich etwas verwirrt, aber man durfte gespannt sein. Zuerst kam dann der Ami. Ich war gerade fast eingeschlafen und die Tür ging auf, jemand stolperte durchs Zimmer, warf seinen Rucksack auf das Bett gegenüber und ging wieder. Kurze Zeit später kamen die Deutschen. Denen habe ich, großzügig wie ich bin, erlaubt das Licht anzumachen und sich erstmal notdürftig einzurichten. Sie wollten ja auch eh gleich noch einmal los.

Vom Amerikaner habe ich auch am nächsten Morgen nicht viel gesehen. Eigentlich nur die Füße. Ich bin dann aber trotzdem los, habe gefrühstückt und mich auf den Weg zu meiner Bosporus-Kreuzfahrt gemacht. So ganz genau hatte ich noch keinen Plan, aber ich wusste immerhin ungefähr wo und wann. Lonelyplanet ist wirklich keine große Hilfe… Auf dem Weg habe ich gleich noch meinen Schlafplatz für die Rückfahrt reserviert und genau zur richtigen Zeit das richtige Schiff gefunden. Der Dampfer war voll mit Touristen, was schon fast unangenehm war, aber ich habe die Fahrt genossen. So viel Wasser um mich herum und überall was zu sehen. Großartig! Die Tour endete am asiatischen Ufer und man konnte oben eine alte Festung besichtigen, zu der ich mich gleich auf den Weg gemacht habe. Unterwegs hat mich noch eine in Deutschland lebende Italienerin eingeholt, die Gesellschaft suchte, weil sie auch irgendjemanden nicht loswurde und wir konnten uns so gegenseitig jegliche Verfolger vom Leib halten und uns dabei noch gut unterhalten. Ein super System.

Zurück bin ich dann wieder allein mit dem Bus entlang der Küste auf der asiatischen Seite gefahren. Der erste Bus war soweit leer und ich konnte tausende von Anglern, Picknickern, Spaziergängern und Einkäufern am wunderschönen Bosporus bewundern. Aus dem Bus musste ich dann aber irgendwo auf der Strecke aussteigen um umzusteigen. Hier war mal so gar nichts, außer anderen Wartenden. Ein Bus nach dem anderen fuhr voll besetzt an uns vorbei. Die meisten waren eh nicht die richtigen, aber als meiner vorbeirauschte, war ich doch etwas frustriert, obwohl das Wetter einfach großartig war. Die tolle Sonne führte allerdings auch dazu, dass ich mir sehnlichst ein schattiges Plätzchen zu wünschen begann, weil ich bereits einen kleine Sonnenbrand fühlte. Der nächste Busfahrer hatte Mitleid und ließ auch hinten einsteigen. Mein Geld habe ich dann wie die anderen ihre Karten nach vorne durchreichen lassen und ich glaube es ist sogar angekommen. In Deutschland hätte ich das vermutlich nicht gemacht. Ich stand so also im hinteren Eingang bei offener Tür fuhr direkt in einen Stau. So hatte ich allerdings noch viel mehr Zeit mir alles anzusehen. Dann ging es wieder mit der Fähre über den Bosporus zurück nach Europa und das letzte Stück zu Fuß zum Hostel, wo ich meine Dusche ungemein genossen habe. Später beim täglichen Tee mit dem Hostelbesitzer (muss wohl sein, aber die ärmsten sitzen ja auch fast 24/7 im Eingang ihres jeweiligen Hostels, da wäre mir auch langweilig) habe ich dann meine deutschen Mitbewohner kennengelernt, die aber bereits in ein anderes Zimmer umgezogen waren (nicht wegen mir, darauf möchte ich hinweisen). Ich war dann am Ende nicht so spontan noch mit wegzugehen, sondern bin eher schlafen, habe aber versprochen am nächsten Abend auf jeden Fall mitzukommen. Diese Nacht war ich dann alleine mit dem Amerikaner, den ich inzwischen aber tatsächlich auch einmal zu Gesicht bekommen hatte und von dem ich inzwischen sogar wusste, dass er aus Kalifornien kommt und zur Zeit in Frankreich studiert.

Am nächsten Morgen ging es dann erst frühstücken, weil im dunkeln und dazu kalt duschen nichts für mich ist, dann duschen, weil der Strom kurzfristig wieder da war und dann auf nach Sultanahmet um das Archäologische Museum und den Palast zu erkunden. Es warne so viele Touristen unterwegs, dass es zwischendurch mehr als anstrengend war, aber ich habe es überlebt. Ich habe noch etwas Zeit damit Verbracht am Fähranleger zu sitzen und die Leute zu beobachten, bavor ich mich auf den Weg zurück ins Hostel gemacht habe um meinen Tee mit Ahmet zu trinken und natürlich noch einmal kalt zu duschen. Da es mein letzter Abend war habe ich mich dann auch noch von Ahmet zum Essen einladen lassen, wo sich meine neue Mitbewohnerin, Camille aus den USA zu uns gesellt hat. Später kam noch ein Bulgare dazu und neuer Mitbewohner Nummer zwei aus den Niederlanden, in Deutschland aufgewachsen und zur Zeit in der Schweiz lebend. Wir haben dann noch bis nach elf auf die anderen Deutschen gewartet, die uns entgegenkamen, als wir gerade im Aufbruch waren. Wir haben dann natürlich noch gewartet und letzten Endes bis Sonnenaufgang gefeiert, über den Dächern von Istanbul Wasserpfeife geraucht und Apfeltee getrunken und uns im Hostel die mit Gewürzpaste verbrannte Zunge mit Ayran gekühlt. Ein wunderbarer Abschluss, aber am nächsten Morgen habe ich es nicht rechtzeitig zum Frühstück geschafft. Ahmet hat das aber geregelt ;-)

Später bin ich mit Camille noch einmal zum Basar, habe mit ihr Fisch auf der Brücke gegessen, dann noch einen Kaffee getrunken, über den kleinen Fischmarkt an der Brücke spaziert und mich dann daran gemacht meine letzten türkischen Lira beim Shoppen loszuwerden.

Wieder viel zu früh habe ich mich dann irgendwann zum Bahnhof aufgemacht, wollte zur Abwechslung die Metro und nicht den Bus nehmen, habe sie nicht gefunen, war so verwirrt, dass ich nichtmal mehr den richtigen Bus gefunden habe und dann entnervt ein Taxi genommen.

Auf dem Bahnhof habe ich dann begonnen mir Notizen zum Wochenende zu machen bis der Zug kam. Im Zug stellte sich dann heraus, dass ich mein Dreierabteil mit einer vierköpfigen Familie teilen sollte. Die Eltern meinten die Kinder würden nachts nicht schlafen, da wurde mir ganz anders. Der Zugbegleiter hat dann aber nach einer Ewigkeit (noch nicht in Bulgarien, aber man weiß schon wo es hingeht) alles geregelt und ich bekam ein Abteil mit zwei Litauern. Diesmal war es das oberste Bett. Deckenhöhe gefühlte 30cm, wackelige Leiter und bestimmt doch sogar 1,50 lang da oben. War auch ein Erlebnis. Im Zug habe ich dann noch die Chinesin von der Hinfahrt getroffen. Wir waren uns auch im Hostel schon kurz begegnet, weil sie dort auch eine Nacht verbracht hatten, aber dann wieder aus den Augen verloren. Der Rest ihrer Gruppe war schon zurück und sie die letzten zwei Tage allein in Istanbul. So habe ich dann auch erfahren, dass es tatsächlich Leute gibt, die zu Souvenirverkäufern Tee trinken gehen. Muss ja mal klappen, sonst würden sie es ja aufgeben, aber es soll nicht sonderlich toll sein.

Die Rückfahrt verlief genau umgekehrt wie die Hinfahrt, also nicht spektakulär, aber ähnlich anstrengend. Mein Lieblingssatz: || Passport control…Computer…Turkish problem…Aussteigen! || Man muss selbstverständlich darauf hinweisen, dass Bulgaren das besser auf die Reihe kriegen als die Türken. Der Punkt geht aber in diesem Falle wirklich an Bulgarien. Ich bin mir grade nicht sicher, ob es auch Kreativpunkte auf die Sprache gibt…

Nun bin ich also zurück in Sofia, das Wetter ist gar nicht schön, aber ich freue mich auf meine Oma, die ich morgen hoffentlich pünktlich vom Flughafen abhole. Ich war ja nun extra nochmal nachm Friseur hin.

21.4.09 16:10


Ruse und nicht Istanbul

Eigentlich sollte es an diesem letzten, wunderschönen Wochenende nach Istanbul gehen, aber es kommt ja meistens etwas anders. Ich fange am besten am Anfang an.

Am letzten Montag sollte ich dann also meine Arbeit für die nicht stattgefundene Vorlesung zum Thema "International Criminal Investigation" abgeben und sie am Dienstag besprechen. Selbstverständlich habe ich die Arbeit eingereicht und habe mich naiver Weise sogar auf eine Besprechung vorbereitet. Die Besprechung bestand allerdings lediglich daraus, dass Prof. Belensky mir sagte, dass die Arbeit ganz großartig sei, jedoch mehr Ansätze zur Verfolgung von Geldwäsche haben könne. Trotzdem gab es die Bestnote und ich durfte schon fast wieder gehen. Da war nur noch die Kleinigkeit mit der nächsten Vorlesung, für die er keine Zeit hätte. Ich müsste dann bis Montag eine andere kleine Hausarbeit schreiben, wenn das OK wäre. Für einen kurzen Moment war ich in Panik, dachte mir dann aber, dass ich das mit etwas Anstrengung auch hinbekommen würde. Meine Mitfahrer haben sich dann allerdings kurzfristig entschieden schon am Mittwoch zu fahren... Ich habe dann umdisponiert und mich bei Elena in Ruse angekündigt, bevor ich erfahren habe, dass man die Pläne wieder geändert hätte und jetzt doch am Donnerstag fahren würde. Ich bin trotzdem nach Ruse gefahren. So ein Chaos...

Donnerstag habe ich meine Fahrkarte für den nächsten Tag nach Ruse und für Ostern nach Istanbul besorgt und am Freitag ging es dann erstmal los.

Die Busfahrt nach Ruse dauert 4,5 Stunden und unterwegs bekommt man so einiges vom Land zu sehen. Umso weiter man sich von Sofia entfernt, desto grüner wird es. Ich überlege noch immer, ob das Gras hier in Bulgarien tatsächlich grüner ist, oder ob es mir nur so vorkommt... Besonders beeindrucken mich noch immer Pferde- und Eselkarren, die man ja in Deutschland als Transportmittel eher nicht mehr gewohnt sind. Ich finde allerdings, dass sie doch besser aufs Land passen, als hier nach Sofia. Auf dem Land sehen die Tiere auch wenigstens etwas besser ernährt aus. Sehr gefreut habe ich mich auch, als wir durch eine kleine Stadt fuhren und vor einem Hochhaus auf einem winzigen Grünstreifen ein Pferd angepflockt war. Sehr großartiges Bild, aber ich mache da keine Fotos, das ist mir dann doch unangenehm. Das ist ja nun keine Safari hier.

Aber genug von meinen wirren Eindrücken von der Fahrt. In Ruse angekommen war Elena nicht gleich am Busbahnhof und ich habe mich etwas planlos umgesehen, was natürlich gleich von sehr hilfsbereiten Taxifahrern bemerkt wurde, die mir nicht glauben wollten, dass ich keine Hilfe brauche.

Als Elena dann da war, sind wir gleich zum Hostel gegangen (man braucht in dieser Stadt kein Taxi!) und ich habe mein schönes, großes, helles Zimmer mit Balkon und Fernseher bezogen. Das Bad war leider nur auf dem Flur, aber dafür umso größer und man hätte sogar baden können...

Weiter ging es mit einem kleinen Stadtrundgang. Und ich muss sagen: Ruse ist wirklich toll! Sauber, schöne Gebäude, viele Menschen, lebhaft und trotzdem ruhig. Ich bin gleich selbst sehr viel ruhiger geworden. Auch wenn ich mich in Sofia nicht unbedingt unsicher fühle, gibt es doch noch ein anderes Gefühl von Sicherheit. Wir waren dann noch bulgarisch essen, ohne langes Warten, dafür mit traditioneller Musik, traditionell gekleideter Bedienung und toller Dekoration überall. Sehr nett! Nach einem kurzen Absacker war ich dann auch froh, dass ich alle Viere von mir strecken konnte.

Am nächsten Morgen war Elena zu einer Vorlesung und ich habe die Stadt erkundet. Zuerst ein Spaziergang an der Donau, dann bulgarische Geschichte mit persönlicher Betreuung im Pantheon, danach das regionale historische Museum mit Einzelführung und dann noch ein kleines Museum im Haus eines Widerstandskämpfers. Ganz viel Befreiungsgeschichte an einem Tag. Mir wird langsam aber sicher klar wie wenig man über dieses Land eigentlich weiß und wie wichtig es wäre mehr zu wissen um zu verstehen warume die Dinge hier vielleicht laufen, wie sie laufen.

Abends habe ich mit Elena noch auf der "Donauprinzessin" etwas getrunken und dann war der Tag auch fast schon um. Jetzt hätte ich beinahe vergessen zu erwähnen, dass ich noch eine ganze Weile mit dem Besitzer des "English Guesthouse", in dem ich ja nächtigte, Kaffee getrunken habe und sehr englischen Humor genießen durfte. Der gute Mann sitzt viel in der kleinen Küche neben dem Eingang und läd seine Gäste schonmal zum Kaffee ein. Ich wollte eigentlich nur kurz meinen Füßen eine Pause gönnen, aber die Pause wurde dann etwas länger, dafür aber umso unterhaltsamer.


 

7.4.09 20:42


Ruhig bleiben...

Heute ist es dann also wirklich passiert. Der Fahrstuhl wollte mich nicht mehr rauslassen. Ich werde mir ab jetzt zweimal, wenn nicht dreimal, überlegen diese Dinger zu nutzen. Ich habe ja schon öfter gesehen, dass die Teile zwischen zwei Stockwerken hängenbleiben, aber da war ich auch nicht drin...

Ich war also nur nochmal kurz was einkaufen und auf dem Weg zurück nach oben Fahrstuhl mit drei Personen voll ausgelastet, blieb er dann kurz vor dem Ziel einfach so stehen. Wir haben so einiges versucht. Weiter hoch, wieder runter,... Fahren wollte er ja noch, nur nicht an der richtigen Stelle stehenbleiben, sodass die Tür aufgeht. Irgendwann bin ich dann in meiner unendlichen Weisheit auf die Idee gekommen an der richtigen Stelle während der Fahrt den Stopp-Knopf zu betätigen. Beim zweiten Versuch im 10 Stock hat das dann auch funktioniert. Wir haben dann lieber die Treppe genommen...

1.4.09 18:28


Ich weiß langsam wirklich weshalb ich hier bin

 Ich hatte ein ganz großartiges Wochenende! Aus dem Bulgarischkurs am Mittwoch bin ich bereits inn der Pause abgehauen und mein Wochenende fing an, etwas gemächlich, aber entspannt mit selbstständigem lernen. Ich glaube es hätte tatsächlich richtig etwas gebracht, wenn ich nicht am nächsten Tag schonwieder aufgehört hätte. Vielleicht schaffe ich ja gleich noch etwas. Ich muss eh leise sein, weil meine liebe Mitbewohnerin krank ist und versucht zu schlafen. Raus möchte ich auch nicht mehr unbedingt, weil mir alles weh tut, aber dazu später.

 Am Mittwoch also bulgarisch gelernt und weiter nichts. Am Donnerstag habe ich mich erstmal so richtig ausgeschlafen und bin dann los um meine Miete zu zahlen. Da das Wetter aber bereits ziemlich großartig war und dieser Glaskasten zum bezahlen nicht gut gelüftet, dafür aber umso besser mit Zahlungswilligen gefüllt war, bin ich erstmal wieder weg um nach der Mittagspause mein Glück erneut zu versuchen. Die Mittagspause habe ich dazu genutzt den richtigen Bus zum Kaufland zu nehmen und einfach eine mehr oder weniger gewohne Umgebung zu genießen. Das mit dem Zahlen hat dann hinterher auch ohne Probleme funktioniert. Ich habe Block und Zimmernummer auf bulgarisch angegeben, war aber im ersten Moment wieder überfordert, als man mich dann auf bulgarisch nach meinem Namen fragte. Eigentlich kann ich das ja alles... Hat dann aber alles funktioniert. Ich habe nur langsam den Verdacht, dass da irgendwo mein zweiter Vorname als Nachname eingetragen wurde. Soll mir aber Recht sein. Namen sind ja nur Schall und Rauch. Für Strom und Wasser habe ich witzige 6 Leva nochwas bezahlt. Ich kann meinen Laptop also beruhigt weiterlaufen lassen, es wird mich nicht ruinieren.

Abends haben Paulina und ich festgestellt, dass wir uns schon ganz lange nicht mehr gesehen haben und uns sofort zum shoppen am Freitag verabredet.

Also Freitag, 12 Uhr: Shoppen mit Paulina. Morgends vor dem Aufstehen bekam ich dann eine SMS, ob wir uns nicht erst um 12:30 treffen könnten. Auf die halbe Stunde kam es mir dann auch nicht an. Ich war auch tatsächlich trotz Stau pünktlich um 12:30 an der Universität. Ich habe auf den Stufen vor dem Haupteingang gewartet und mich dabei in der Sonne gut unterhalten, während Paulina an der Bushaltestelle auf mich wartete. Wir waren beide sehr geduldig und haben den Fehler erst um 13 Uhr bemerkt, sind danach aber wirklich los. Den Rest des Tages haben wir uns also durch Sofias Straßen treiben lassen, die Sonne, die günstigen Preise und die besser gelaunten Menschen genossen und tatsächlich einiges erstanden. Irgendwie sind wir dann am Womensmarket gelandet, wo wir beeindruckt waren von den vielen Farben und zum Teil seltsamen Angeboten, den vielen Menschen und überhaupt allem. Auf dem Rückweg waren wir wieder etwas "lost in Sofia", haben dann aber eine Metrostation gefunden und sofort wieder auf dem richtigen Weg. Unten in der Station haben wir dann dreister Weise Fotos gemacht, woraufhin jemand (niemand wichtiges, nur irgendwer) auf uns zu kam und meinte man dürfe das nicht (jedenfalls gehe ich davon aus, dass er das meinte, er sprach nämlich bulgarisch, aber ich habe nicht eingesehen in darauf aufmerksam zu machen, dass wir ihn nicht verstehen). Ich habe dann die Theorie entwickelt, dass er nur Angst hatte selbst auf den Fotos zu sein, was ihn stört, weil er in Sofia untergetaucht ist und Angst vor Entdeckung hat. So wird es sein. Die Station ist übrigends wahnsinnig modern, was allerdings kein Hinweis auf die tatsächliche Bahn ist... Der Rückweg von der Universität nach Studentski Grad dauerte rekordverdächtige 70 Minuten. Danach hatten wir und unser Essen auch redlich verdient.

Am Samstag stand dann mit Paulina, Diana, Jana und drei weiteren Erasmus Studenten aus Portugal ein Ausflug zu einem Wasserfall plus Kirchenbesichtigung  an. Wir sind selbstverständlich an der falschen Haltestelle ausgestiegen und haben uns dann entschieden uns den Wasserfall aufzuheben und lieber mit der Seilbahn höher auf den Vitosha ins Skigebiet zu fahren. Das Wetter war noch immer fantastisch, mit jedem Meter wurde die Luft  klarer und der Schnee war großartig. Ich habe jetzt auch mal sehen können was ich hier Tag für Tag einatme. Bei dem Anblick wird einem ganz anders. Ich habe also versucht soviel frische Luft wie möglich zu bekommen. Dazu hatte ich auch Gelegenheit, weil wir doch eine Weile gewandert sind. Auf dem Weg nach unten wurde es allerdings etwas steil, sodass ich die Hälfte der Strecke auf meinem Allerwertesten den Abhang hinuntergerutscht bin. War ein Riesenspaß und ich war hinterher sogar noch trocken. Heute tut mir allerdings wirklich alles weh. Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch schnell ein Kloster angesehen und dann war es auch schonwieder dunkel und wir froh, als wir nach kurzer Busverwirrung wieder im bekannten Studentski Grad waren und natürlich zur Belohnung essen gehen konnten.

Heute morgen dachte ich, ich sei zeitig wach... Das mit der Zeitumstellung habe ich natürlich verpennt. Ich habe mich noch kurz gefragt warum mein Laptop und meine anderen Uhren plötzlich dieselbe Zeit anzeigen, aber nicht weiter darüber nachgedacht. Nun ist alles klar, danke Oma. Zum Treffen für den Museumsbesuch waren Lydia und ich dann auch eine halbe Stunde zu spät, aber man hat auf uns gewartet. Wie gut, dass ich mich offiziell angemeldet hatte! Das historische Museum ist echt einen Ausflug wert, auch wenn es ziemlich abseits liegt. So steht es in meinem Reiseführer und so ist es tatsächlich. Die Führung war tatsächlich interessant und verständlich, wenn auch etwas geleiert. Ich habe bei der Gelegenheit auch jemanen kennengelernt, der Letztes Semester ein Nachbar in der August-Bebel-Str. gewesen sein muss. Selbstverständlich ging es nach dem Museum wieder Essen. Kommt langsam der Gedanke auf, dass ich hier etwas seltsam lebe? Könnte ich vielleicht sogar etwas verwähnt sein nach der Zeit hier? Ich koche nicht, ich wasche nicht, aber trotzdem ist immer alles fertig...

29.3.09 18:38


So viel zu tun, so wenig Zeit...

Nach der anfänglichen Langeweile und meinem Fernsehmaraton, unterbrochen von Polizeibesuchen habe ich jetzt doch tatsächlich keine Ahnung, wie ich alles auf einmal schaffen soll. Ich bin tatsächlich nur noch ungefähr 12 Wochen hier, habe erst eine "Vorlesung" fast hinter mir, 5 vor mir und will doch noch soviel sehen... Zum bloggen hatte ich folglich auch keine Zeit, weil ich der Geldwäsche erstmal absoluten Vorrang eingeräumt habe. Ist ja auch ein wichtiges Thema... Ich werde mich jetzt aber bemühen halbwegs geordnet von den letzten Tagen zu berichten.

Am Freitag musste ich zeitig aufstehen, damit ich pünktlich um halb neun am Bus bin. So dachte ich zumindest.  Um halb zehn wusste ich es besser. Ich hätte noch eine Stunde länger schlafen könen und wäre nicht die Letzte gewesen. Ich werde nie verstehen, wie man die Dreistigkeit besitzen kann eine Stunde zu spät zu kommen, weil man den Abend zuvor zuviel getrunken hat und so 50 Leute warten lässt. Ich verstehe allerdings auch nicht, warum wir gewartet haben. Ich habe mich vermutlich noch immer nicht genug an die bulgarische Gelassenheit und Freude am Warten gewöhnt. Die Verzögerung von einer Stunde sind wir das ganze Wochenende nicht mehr losgeworden, sodass ich vorab schonmal erwähne, dass viel gewartet wurde. Ich habe dann auch angefangen einfach immer frühestens eine halbe Stunde später als angekündigt fertig zu sein, was mir wahnsinnig schwer fällt und mir nie die gesamte Wartezeit erspart hat.

Natürlich hat es schon am Freitag angefangen zu regnen. Auf dem Berg, auf dem, oder vielleicht besser in dem, wir die Tropfsteinhöhle (Ledenika Cave) besichtigt haben lag Schnee und ich hatte selbstverständlich nicht meine warmen, dichten Stiefel dabei, sondern nur dünne Stoffschuhe. Meine einzige Beruhigung ist, dass nicht nur ich so dusselig war. Ich habe also nicht nur ein ganzes Wochenende mit Warten, sondern auch noch mit nassen Füßen verbracht. Ganz nebenbei möchte ich noch erwähnen, dass ich für die Einrichtung von Toiletten in Tropfsteinhöhlen bin. Nun aber zur Höhle: Die Höhle war riesig und auch wirklich beeindruckend, aber ich bin nicht der Typ Mensch, der sich Kalkgebilde (oder was immer das jetzt genau ist) ansieht und versucht den Weihnachtsmann zu erkennen.

 

Halt gemacht haben wir dann zum Essen in Vratza.  Von der Stadt habe ich nicht viel gesehen, weil das Wetter schlecht war und wir ja wegen der Verspätung ganz schnell sein sollten. Ich habe mich aber sofort daran erfreut, dass andere Städte in Bulgarien tatsächlich viel schöner und vor allem sauberer sind als Sofia.


 In Vidin im Hotel haben Paulina und ich das kleinste Zimmer mit einem nicht wirklich breiten Doppelbett bekommen. Nach kurzer Pause ging es in ein traditionell bulgarisches Restaurant. Außer der traditionellen Küche und der Dekoration wurde traditionell viel gewartet, aber sehr nett war es trotzdem. So hatte man wenigstens Zeit sich zu unterhalten und wurde nicht ständig vom Kellner unterbrochen...

Nach dem ganzen Gewarte hatte allerdings kaum noch jemand Lust an der angekündigten Party teilzunehmen, sodass auch ich guten Gewissens ins Bett konnte.

Am nächsten Morgen bin ich bei starkem Schneeregen mit ein paar anderen vor dem Rest der Gruppe zur Festung aufgebrochen. Nach der Besichtigung und durchgefroren haben wir uns ein Restaurant gesucht um uns aufzuwärmen und etwas zu essen. Auch hier waren nicht nur Dekoration und Speisen traditionell... Das hätte uns wenig gestört, wenn man ordentlich geheizt hätte.

Ich habe es dann vorgezogen mich im Hotel weiter aufzuwärmen, bevor es am Abend wieder gemeinsam zum Essen ging.  Bevor es losging habe ich mich allerdings noch wie schon am Abend zuvor mit Paulina mit "Killer Karaoke" auf den Abend eingestimmt. Als wir mit unserer großen Gruppe dann das kleine Restaurant stürmten, war der arme kleine Kellner doch etwas verängstigt und reagierte mit panischer Untätigkeit. Im Laufe des Abends hat er sich dann allerdings warm gearbeitet.

Irgendwas im Essen habe ich nicht vertragen, deshalb kann ich leider nichts spannendes über den anschließenden Diskogang erzählen, aber so habe ich am nächsten Morgen vor allen anderen Vidin im schönsten Sonnenschein bewundern und an der Donau spazieren gehen können.


Die Rückfahrt verzögerte sich dann auch wieder um die berühmte Stunde, aber das brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Unterwegs wurde im  verschneiten Belogradchik Halt gemacht. Innerhalb von Sekunden waren meine Schuhe durchweicht vom Schmelzwasser, aber für den Ausblick von den Felsen bei strahlendem Sonnenschein hat sich das allemal gelohnt.


Mit ungefähr vier Stunden Verspätung waren wir dann auch in Sofia...

Heute hat mir meine Bulgarischlehrerin (ich bezweifle, dass sie Lehrerin ist und habe keine Ahnung wie sie heißt) mitleidig erklärt, sie müsse bulgarisch nunmal auf bulgarisch unterrichten, so wäre das nunmal. Sie meinte auch, ich solle sie immer unterbrechen, wenn sie zu schnell sprechen würde. Ich habe mich höflich für ihre Anteilnahme bedankt und bin gegangen. Ich bezweifle, dass ich viel lernen werde, aber ich werde es aus Protest weiter versuchen. Angeblich hätte das ja sonst auch immer geklappt... Also aus meinem Kurs haben bereits zwei aufgegeben...

Irgendwie hört sich das jetzt vermutlich alles ziemlich negativ an, aber alles positive ist so normal...

24.3.09 19:11


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