Startseite
  Über...
  Abonnieren
 

Links
  Fotos Ruse
  Fotos Sofia 3
  Fotos Sofia 2
  Fotos Sofia 1
   Fotos Vidin Trip
  maria-im-auslandsjahr
  Lenscheblog


http://myblog.de/juleinsofia

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
ISTANBUL!!!

 Das letzte lange Wochenende in Istanbul kann ich wohl ohne zu zögern intensiv nennen. Ich weiß nicht, ob ich jemals zuvor in so kurzer Zeit so viel gesehen, erlebt und kennen gelernt habe. Die Entscheidung alleine zu fahren war auf jeden Fall richtig. Ich werde dann mal anfangen alles halbwegs geordnet zu berichten. Das wird lang und ich werde bestimmt das eine oder andere vergessen.

Ein paar Zweifel hatte ich ja schon, als ich mich am Donnerstagnachmittag zum Bahnhof aufmachte. Irgendjemand im Internet hat mich dadurch verunsichert, dass er schrieb ein Personalausweis würde doch nicht ausreichen. Natürlich versichert das Auswärtige Amt etwas anderes, aber aufgeregt ist man ja immer. Ganz allein war ich ja nun auch noch nie so richtig weg. Auch aufregend. Und noch nie in der Türkei… Ich bin dann vor lauter Aufregung und aus Angst vor den Sofioter Staus wahnsinnig früh losgefahren, hatte selbstverständlich keinen Stau und musste irrsinnig lange warten. Die Zeit habe ich dann gleich mal genutzt um mich darin zu üben fremde Menschen anzusprechen. Mein Opfer waren zwei Spanier auf der Durchreise, die ein paar Sprachprobleme hatte und auch mit der bulgarischen Mentalität nicht so ganz zurecht kamen. Ich war so einen Moment beschäftigt und schon mal mächtig stolz. Mein Gleis wurde erst wahnsinnig spät angegeben, sodass ich am Ende tatsächlich noch recht gestresst am Zug ankam. Natürlich hat aber sonst alles geklappt und ich konnte wenig später mein Abteil mit Laken zum Zudecken (der Rest war bereits bezogen) und meinem kleinen „Willkommenspaket“ (bestehend aus einer Packung Taschentücher, einer Papierabdeckung für die Klobrille und zwei feuchten Reinigungstüchern) beziehen. Ich habe das unterste Bett bekommen und die Kabine war sonst leer. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich mich darüber freuen sollte, weil ich ja eigentlich noch mehr Menschen treffen wollte. Draußen auf dem Flur habe ich das dann aber ebenso gut geschafft. Eine kleine Chinesin, die auch gerade an der Uni hier in Sofia studiert war wie ich auf dem Weg nach Istanbul, die einzige Frau in der Gruppe und wohl auch am aufgeschlossensten von allen. In Plovdiv ist sie dann mit Erlaubnis des (tatsächlich netten) Zugbegleiters in meine Kabine gezogen, weil bei ihr zwei Männer einquartiert wurden. Damit war sie nicht so einverstanden.

Die Nacht wurde nach kurzer Schlafpause am letzten Bahnhof in Bulgarien von der Passkontrolle unterbrochen. In Bulgarien kommen die Kontrolleure aber wenigstens in den Zug, sodass man nur eine halbe Stunde warten muss, bis es endlich weitergeht. Kurze Zeit später stand dann die nächste Passkontrolle in der Türkei an. Dort ist man nicht so entgegenkommend. Wir sind dann also alle raus aus dem Zug und haben mitten in der Nacht darauf gewartet, dass der Zollbeamte anfangen möchte zu arbeiten. Irgendwann war auch das vorbei, ich schon fast eingeschlafen, da klopfte es wieder und man wollte unsere Ausweise ein weiteres Mal sehen. Weitere zehn Minuten später wurde dann noch einmal nachgefragt ob wir etwas zu verzollen hätten, das Gepäck grob abgetastet und es ging endlich weiter und ich konnte morgens die Zugfahrt durch die Vororte von Istanbul halbwegs ausgeschlafen genießen.

In Istanbul vor dem Bahnhof habe ich mich dann von der kleinen chinesischen Reisegruppe getrennt und mich auf die Suche nach meinem Hostel gemacht. Selbstverständlich habe ich mich unterwegs etwas verlaufen, aber ich bin trotzdem angeommen und habe unterwegs schon einen Teil der Stadt gesehen. Vor einer Dusche war das allerdings nur mäßig zu genießen.

Im Hostel angekommen hat mich dann der Besitzer begrüßt und ich durfte vor dem richtigen Einchecken erst einmal duschen. Nach dem Duschen habe ich feststellen müssen, dass ich meine Socken vergessen habe, aber man kann ja alles kaufen…

Bald habe ich dann auch meine erste Zimmergenossin kennengelernt. Maleika kam gerade aus Indien und hatte 24 Stunden Aufenthalt in Istanbul. Wir haben dann den Rest des Tages zusammen Istanbul erkundet und abends noch eine Flughafenbekanntschaft von Maleika getroffen. So habe ich am ersten Tag bereits Teile von Sultanahmet, den großen Basar und das Istanbuler Nachtleben kennengelernt. Nach zuviel Nachtleben war mir allerdings nach der langen Reise und stundenlangem Power-Sightseeing nicht mehr, sodass ich mich dann um kurz nach 12 höflich verabschiedet habe. Morgens zwischen 6 und 6.30 sind Maleika und meine zwei übrigen Mitbewohner (Australier auf dem Rückweg von ihrer Nordafrikareise) aufgebrochen und ich hatte das Zimmer für kurze Zeit für mich.

Recht zeitig nach dem Frühstück mit einer Gruppe aus Deutschland, die grade auf Seminarreise mit der Konrad Adenauer Stiftung war, habe ich mich dann in Richtung Sultanahmet aufgemacht um das Innere der blauen Moschee und der Aya Sofia zu erkunden. Zum Abschluss bin ich dann noch ins Hippodrome, wo ich mich kurz mit einer Japanerin über die wahnsinnig liebenswerten jungen Männer unterhalten habe, die uns alle so wunderbar finden und so wahnsinnig gern Tee in ihrem Souvenirshop trinken möchten. Ich habe mich dann noch etwas in der Gegend herumgetrieben abgewehrt und ganz wunderbar türkisch gegessen.

Nach dem Essen ging es in den konservativen Teil der Stadt, wo ich mir die zwei, drei vorhandenen Sehenswürdigkeiten angesehen habe zwei Touristinnen aus keine-Ahnung-wo getroffen habe und mich einfach nur umgesehen und am Ende natürlich verlaufen habe. Selbstverständlich habe ich dann auch noch den Bus in die falsche Richtung genommen und irgendwo JWD gelandet. Ich bin aber sicher wieder zurück und habe den Abend mit einer langen Unterhaltung mit zwei Backpackern aus der Schweiz, die gerade verfrüht aus Thailand wieder zurück waren, wie ihnen die politische Lage dort zu unsicher wurde. Vorher waren sie noch in Vietnam und Kambodscha gewesen, was mich schon etwas beeindruckt. Ich wurde dann noch auf meine Mitbewohner für die Nacht hingewiesen, die später kommen sollten. Ein Amerikaner und zwei Deutsche. Letztere sollten irgendwas mit irgendeinem Film zu tun haben. Hat mich etwas verwirrt, aber man durfte gespannt sein. Zuerst kam dann der Ami. Ich war gerade fast eingeschlafen und die Tür ging auf, jemand stolperte durchs Zimmer, warf seinen Rucksack auf das Bett gegenüber und ging wieder. Kurze Zeit später kamen die Deutschen. Denen habe ich, großzügig wie ich bin, erlaubt das Licht anzumachen und sich erstmal notdürftig einzurichten. Sie wollten ja auch eh gleich noch einmal los.

Vom Amerikaner habe ich auch am nächsten Morgen nicht viel gesehen. Eigentlich nur die Füße. Ich bin dann aber trotzdem los, habe gefrühstückt und mich auf den Weg zu meiner Bosporus-Kreuzfahrt gemacht. So ganz genau hatte ich noch keinen Plan, aber ich wusste immerhin ungefähr wo und wann. Lonelyplanet ist wirklich keine große Hilfe… Auf dem Weg habe ich gleich noch meinen Schlafplatz für die Rückfahrt reserviert und genau zur richtigen Zeit das richtige Schiff gefunden. Der Dampfer war voll mit Touristen, was schon fast unangenehm war, aber ich habe die Fahrt genossen. So viel Wasser um mich herum und überall was zu sehen. Großartig! Die Tour endete am asiatischen Ufer und man konnte oben eine alte Festung besichtigen, zu der ich mich gleich auf den Weg gemacht habe. Unterwegs hat mich noch eine in Deutschland lebende Italienerin eingeholt, die Gesellschaft suchte, weil sie auch irgendjemanden nicht loswurde und wir konnten uns so gegenseitig jegliche Verfolger vom Leib halten und uns dabei noch gut unterhalten. Ein super System.

Zurück bin ich dann wieder allein mit dem Bus entlang der Küste auf der asiatischen Seite gefahren. Der erste Bus war soweit leer und ich konnte tausende von Anglern, Picknickern, Spaziergängern und Einkäufern am wunderschönen Bosporus bewundern. Aus dem Bus musste ich dann aber irgendwo auf der Strecke aussteigen um umzusteigen. Hier war mal so gar nichts, außer anderen Wartenden. Ein Bus nach dem anderen fuhr voll besetzt an uns vorbei. Die meisten waren eh nicht die richtigen, aber als meiner vorbeirauschte, war ich doch etwas frustriert, obwohl das Wetter einfach großartig war. Die tolle Sonne führte allerdings auch dazu, dass ich mir sehnlichst ein schattiges Plätzchen zu wünschen begann, weil ich bereits einen kleine Sonnenbrand fühlte. Der nächste Busfahrer hatte Mitleid und ließ auch hinten einsteigen. Mein Geld habe ich dann wie die anderen ihre Karten nach vorne durchreichen lassen und ich glaube es ist sogar angekommen. In Deutschland hätte ich das vermutlich nicht gemacht. Ich stand so also im hinteren Eingang bei offener Tür fuhr direkt in einen Stau. So hatte ich allerdings noch viel mehr Zeit mir alles anzusehen. Dann ging es wieder mit der Fähre über den Bosporus zurück nach Europa und das letzte Stück zu Fuß zum Hostel, wo ich meine Dusche ungemein genossen habe. Später beim täglichen Tee mit dem Hostelbesitzer (muss wohl sein, aber die ärmsten sitzen ja auch fast 24/7 im Eingang ihres jeweiligen Hostels, da wäre mir auch langweilig) habe ich dann meine deutschen Mitbewohner kennengelernt, die aber bereits in ein anderes Zimmer umgezogen waren (nicht wegen mir, darauf möchte ich hinweisen). Ich war dann am Ende nicht so spontan noch mit wegzugehen, sondern bin eher schlafen, habe aber versprochen am nächsten Abend auf jeden Fall mitzukommen. Diese Nacht war ich dann alleine mit dem Amerikaner, den ich inzwischen aber tatsächlich auch einmal zu Gesicht bekommen hatte und von dem ich inzwischen sogar wusste, dass er aus Kalifornien kommt und zur Zeit in Frankreich studiert.

Am nächsten Morgen ging es dann erst frühstücken, weil im dunkeln und dazu kalt duschen nichts für mich ist, dann duschen, weil der Strom kurzfristig wieder da war und dann auf nach Sultanahmet um das Archäologische Museum und den Palast zu erkunden. Es warne so viele Touristen unterwegs, dass es zwischendurch mehr als anstrengend war, aber ich habe es überlebt. Ich habe noch etwas Zeit damit Verbracht am Fähranleger zu sitzen und die Leute zu beobachten, bavor ich mich auf den Weg zurück ins Hostel gemacht habe um meinen Tee mit Ahmet zu trinken und natürlich noch einmal kalt zu duschen. Da es mein letzter Abend war habe ich mich dann auch noch von Ahmet zum Essen einladen lassen, wo sich meine neue Mitbewohnerin, Camille aus den USA zu uns gesellt hat. Später kam noch ein Bulgare dazu und neuer Mitbewohner Nummer zwei aus den Niederlanden, in Deutschland aufgewachsen und zur Zeit in der Schweiz lebend. Wir haben dann noch bis nach elf auf die anderen Deutschen gewartet, die uns entgegenkamen, als wir gerade im Aufbruch waren. Wir haben dann natürlich noch gewartet und letzten Endes bis Sonnenaufgang gefeiert, über den Dächern von Istanbul Wasserpfeife geraucht und Apfeltee getrunken und uns im Hostel die mit Gewürzpaste verbrannte Zunge mit Ayran gekühlt. Ein wunderbarer Abschluss, aber am nächsten Morgen habe ich es nicht rechtzeitig zum Frühstück geschafft. Ahmet hat das aber geregelt ;-)

Später bin ich mit Camille noch einmal zum Basar, habe mit ihr Fisch auf der Brücke gegessen, dann noch einen Kaffee getrunken, über den kleinen Fischmarkt an der Brücke spaziert und mich dann daran gemacht meine letzten türkischen Lira beim Shoppen loszuwerden.

Wieder viel zu früh habe ich mich dann irgendwann zum Bahnhof aufgemacht, wollte zur Abwechslung die Metro und nicht den Bus nehmen, habe sie nicht gefunen, war so verwirrt, dass ich nichtmal mehr den richtigen Bus gefunden habe und dann entnervt ein Taxi genommen.

Auf dem Bahnhof habe ich dann begonnen mir Notizen zum Wochenende zu machen bis der Zug kam. Im Zug stellte sich dann heraus, dass ich mein Dreierabteil mit einer vierköpfigen Familie teilen sollte. Die Eltern meinten die Kinder würden nachts nicht schlafen, da wurde mir ganz anders. Der Zugbegleiter hat dann aber nach einer Ewigkeit (noch nicht in Bulgarien, aber man weiß schon wo es hingeht) alles geregelt und ich bekam ein Abteil mit zwei Litauern. Diesmal war es das oberste Bett. Deckenhöhe gefühlte 30cm, wackelige Leiter und bestimmt doch sogar 1,50 lang da oben. War auch ein Erlebnis. Im Zug habe ich dann noch die Chinesin von der Hinfahrt getroffen. Wir waren uns auch im Hostel schon kurz begegnet, weil sie dort auch eine Nacht verbracht hatten, aber dann wieder aus den Augen verloren. Der Rest ihrer Gruppe war schon zurück und sie die letzten zwei Tage allein in Istanbul. So habe ich dann auch erfahren, dass es tatsächlich Leute gibt, die zu Souvenirverkäufern Tee trinken gehen. Muss ja mal klappen, sonst würden sie es ja aufgeben, aber es soll nicht sonderlich toll sein.

Die Rückfahrt verlief genau umgekehrt wie die Hinfahrt, also nicht spektakulär, aber ähnlich anstrengend. Mein Lieblingssatz: || Passport control…Computer…Turkish problem…Aussteigen! || Man muss selbstverständlich darauf hinweisen, dass Bulgaren das besser auf die Reihe kriegen als die Türken. Der Punkt geht aber in diesem Falle wirklich an Bulgarien. Ich bin mir grade nicht sicher, ob es auch Kreativpunkte auf die Sprache gibt…

Nun bin ich also zurück in Sofia, das Wetter ist gar nicht schön, aber ich freue mich auf meine Oma, die ich morgen hoffentlich pünktlich vom Flughafen abhole. Ich war ja nun extra nochmal nachm Friseur hin.

21.4.09 16:10
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung