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Ich habe viel Zeit...

Ich habe nach den ganzen Reisen und Ausflügen in den letzten Wochen nun wieder viel Zeit, die ich dazu nutzen sollte meine Hausarbeiten zu schreiben. Irgendwie ist aber plötzlich das Wetter wunderschön, draußen ist es warm und mein Laptop der Ansicht, dass ich das nutzen sollte. Er verweigert den Dienst. So muss ich dann also raus. Schönes Wetter in der Stadt frustriert mich immer wieder, aber am Ende eines Tages war es dann doch immer nicht so schlimm.

Ein paar Beispiele: Von meinem Shoppingerlebnis nach der Geldautomatenaufregung habe ich ja bereits berichtet. Am Tag darauf bin ich wieder in die Stadt gefahren. Diesmal allerdings nur um mich auf eine Bank zu setzen und zu lesen. Die erste ältere Dame, die neben mir saß fragte mich nur nach der Uhrzeit, hat ich dabei aber sehr nett angelächelt. Das war schonmal toll. Die nächste setzte sich und fing an mit mir zu reden. Als das auf bulgarisch nicht funktioniert, machte sie auf englisch weiter. Einfach so. Ich war sehr beeindruckt! Die wenigsten Menschen sprechen hier freiwillig englisch und von einer Dame jenseits der 60 hätte ich das am allerwenigsten erwartet. Es stellte sich heraus, dass sie Englischlehrerin war und somit quasi vom Fach. So verbrachte ich also einen Teil meines Nachmittags nicht nur mit Dan Brown und fiktiven Buchgestalten, sondern unterhielt mich mit Mary. Sehr erfirschend!

Gestern habe ich mich tatsächlich getraut mich in den Park zu setzen. Auf die Wiese! In Studentski Grad! Ich hätte das selbst vorher nicht für möglich gehalten, aber am Ende war es gar nicht so schlecht. Ich hatte meine Ruhe, der Müll wurde in den letzten Wochen erfolgreich beseitigt und Hunde sieht man auch weniger. Wird daran liegen, dass weniger Nahrung für sie herumfliegt. Am Ende fühlte ich mich so sicher, dass ich sogar etwas eingedöst bin. Einziger Minuspunkt: Einen Moment nicht aufgepasst, kaputten Fußweg nicht mitbekommen, gestolpert, wohl Zeh gebrochen. Sehr schmerzhaft. Noch immer.

Heute war ich dann mit meiner Mitbewohnerin einen Kaffee trinken. Auf dem Weg in die Stadt ist mir einiges klar geworden. Vor ein oder zwei Tagen hat mir Livia eine Zeitungsnotitz übersetzt, die besagt, dass sich nur 30% der Bulgaren die Zähne putzen und eine Zahnbürste besitzen. Im Bushabe ich zwei Exemplare der anderen 70% gesehen. Die brauchen keine Zahnbürste, sie haben keine Zähne. Das "Pärchen", mitte 40 würde ich sagen, hatte zusammen ungefähr vier Zähne. Ich habe mich gefragt was sie so essen. Ich weiß es nicht. An 30% ohne Zahnbürste mag ich trotzdem noch nicht glauben. Da müsste irgendwas gewaltig schief laufen.

Dass hier einiges sehr schief läuft, daran besteht wohl kein Zweifel. Bei Busfahrten übers Land sehe ich Feldarbeit, die per Hand und mit Hilfe  von Eseln und Pferden betrieben wird, was ja an sich nichts verwerfliches ist, aber für mich sehr bemerkenswert. Gleichzeitig sehe ich regelmäßig ein sehr bemerkenswertes Polizeiauto. Muss die Polizei Audi TTs als Einsatzwagen haben, während Bürger nichtmal eine Zahnbürste besitzen und sich tagtäglich bei jedem Wetter auf dem Feld dem Rücken buckelig arbeiten? Und warum bekommen Lehrer einen Lohn gezahlt, von dem man nichteinmal hier leben kann? Wieso sind fühlen sich Reisende aus anderen ehemaligen Ostblockstaaten, als wären sie gerade einer Zeitmaschine entstiegen, wenn sie nach Bulgarien kommen. Sicher gibt es dafür viele Erklärungen, aber der Audi TT geht mir nicht aus dem Kopf.

Als ich heute auf Nahrungssuche wieder mit dem Bus unterwegs war (nur ein kleines Stückchen, den Rest bin ich gelaufen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich mir mein Abendessen mit etwas Bewegung verdienen sollte) habe ich dann eine Gruppe Mädchen beobachtet. Ich habe keine Ahnung wie alt sie waren, aber das spielt ja auch keine Rolle. Die eine Hälfte war schlank und ich habe ihre Disziplin bewundert. Die andere Hälfte war dürr und ich habe mir Sorgen gemacht. Ich möchte da wirklich niemandem etwas unterstellen, aber bei manchen könnte man eine seltsame Färbung der Zähne vermuten, womit ich nicht andeuten möchte, dass sie sich nicht die Zähne putzen. Auch hier frage ich mich: Muss das wirklich sein? Wenn ich höre, dass Mädchen von ihrem Freund verlassen werden, weil sie ein paar Kilo zugenommen haben, oder andere mit normaler Figur gesagt bekommen, sie wären ja echt toll, müssten aber schon ein paar Kilo abnehmen, dann fällt mir dazu nichts ein. Wie Livia zu der Zahnbürstenstory sagte: Man möchte meinen, man sei in Afrika und nicht in Europa. Derselbe Gedanke kommt mir zuweilen, wenn ich mir das eine oder andere schon lange nicht mehr besonders weibliche Wesen hier ansehe. Und das sage ich nicht nur, weil ich selbst wohl ganz dringend malwieder Sport treiben sollte.

10.5.09 21:21
 



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